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Ein Jura-Tintenfischverwandter aus Wyoming war der massigste seiner Art

Zwei seltene Fossilien zeigen ein 160 Millionen Jahre altes Meerestier mit einem tonnenförmigen Körper, der weit breiter war als bei allen bekannten Verwandten.

23 Oct 2026 · 3 min · 1 Quellen · Deutsch

Vor etwa 160 Millionen Jahren schwamm ein Meerestier über das Gebiet des heutigen Wyoming, das wie ein Tintenfisch aussah, aber gebaut war wie ein kleines Fass. Zwei seltene Fossilien haben nun gezeigt, dass es das dickste und massigste Mitglied seiner gesamten Familie war, das je gefunden wurde.

Ein Skelett, weit breiter als alle anderen

Das Tier war ein Belemnit, ein Vertreter einer ausgestorbenen Gruppe von Meerestieren, die mit den heutigen Tintenfischen und Kraken verwandt waren. Belemniten gehören zu den häufigsten Fossilien der Welt. Was meist erhalten bleibt, ist ein hartes inneres Skelett, Rostrum oder Guard genannt, das die Form einer Gewehrkugel hat.

Die Sundance-Formation in Wyoming bewahrt die Überreste eines urzeitlichen Binnenmeers, das sich einst über weite Teile des Westens der Vereinigten Staaten erstreckte, und hat Millionen dieser Fossilien hervorgebracht. Die Paläontologin Jessica Lippincott aus Wyoming, eine Mitautorin der Studie, sagt, die Menschen in der Region nennen sie umgangssprachlich „Tintenfisch-Hintern“.

Die meisten Exemplare aus Wyoming sind schmal: etwa 5 bis 10 Zentimeter lang und nur 1 bis 2 Zentimeter breit. Die neue Art hat eine völlig andere Form. Ihr Skelett ist rund 10 Zentimeter lang, aber etwa 6 Zentimeter breit, womit es das dickste bekannte Exemplar ist. Das lebende Tier dürfte mit Armen etwa 60 Zentimeter erreicht haben, also ungefähr zwei Fuß.

Zwei Fossilien, fast dreißig Jahre auseinander entdeckt

Das erste Exemplar wurde Ende der 1990er Jahre von Dr. Burkhard Pohl gefunden, dem Gründer des Wyoming Dinosaur Center. Ihm fiel auf, dass es deutlich größer war als jeder Belemnit, den er zuvor gesehen hatte, doch dann lag das Fossil viele Jahre unerforscht in einer Museumsschublade.

Das zweite tauchte auf, als der Fossiliensammler Cliff Linster eines in der Nähe von Ten Sleep, Wyoming, fand und es 2019 dem Wyoming Dinosaur Center schenkte. Mit zwei Exemplaren zum Vergleich hatten die Forscher endlich genug Belege, um eine neue Art zu beschreiben.

Sie nannten sie Wyoteuthis linsterorum. Der Gattungsname bedeutet „ein Tintenfisch aus Wyoming“, und der Artname würdigt Cliff Linster und seine Familie für ihren Beitrag.

Wozu der breite Körper gedient haben könnte

Der Paläontologe Bill Wahl aus Wyoming, der einen Großteil seiner Karriere der Fossiliensuche in dem Bundesstaat gewidmet hat, sagte, das seltsame Exemplar sei im Vergleich zu den unzähligen anderen dort gefundenen Funden „wie ein bunter Hund“ aufgefallen. Er stellte ein internationales Team zusammen, darunter den Belemniten-Experten Alexey Ippolitov, heute Doktorand an der Victoria University of Wellington in Neuseeland, und Dr. Dean Lomax, Honorary Research Fellow an der University of Manchester. Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift Papers in Palaeontology veröffentlicht.

Um in die Fossilien hineinzuschauen, ohne sie aufzuschneiden, nutzte das Team eine Scanmethode, die aus vielen Winkeln Röntgenaufnahmen macht und daraus ein dreidimensionales Bild des Inneren erzeugt. Die Scans brachten eine Überraschung zutage: Das Tier schien zu einer uralten Belemnitenfamilie zu gehören, von der Wissenschaftler annahmen, sie sei Millionen Jahre vor seiner Zeit ausgestorben.

Ippolitov sagte, er sei zutiefst überrascht gewesen, etwas so Ungewöhnliches in einer Gruppe zu finden, die schon seit mehr als 200 Jahren erforscht wird. Er vermutet, dass die relativ große Körpergröße dem Tier einen Vorteil bei der Jagd auf kleinere Belemniten der Gattung Pachyteuthis verschafft haben könnte, die zur selben Zeit lebten. Moderne Tintenfische, so merkt er an, sind kaum wählerische Esser und jagen andere tintenfischartige Tiere, manchmal sogar ihre eigenen Artgenossen.